Vom Schreibmarathon und dem infernalen Schriftführer

Letztens hatte ich eine Idee. Weder gut, noch schlecht; eher eine neutrale. Jeder, der versucht, ein eigenes Werk von mehreren hundert Seiten zu schreiben, kennt es wahrscheinlich: Ich schreibe einfach jeden Tag konsequent 5 Seiten, dann hab ich eh innerhalb 20 Tage 100 Seiten geschafft.

Das Problem hierbei ist jedoch, das man häufig beginnt, Kompromisse zu schließen. Ah, heute schreibe ich nichts, dafür morgen zehn … Oder so ähnlich.

Dies häuft sich oft dann immer weiter an, bis man den ursprünglichen Plan von fünf Seiten am Tag verwirft, da man jetzt schon ungefähr dreißig im Verzug ist. Einerseits sollte man sich zum Schreiben nicht zwingen. Wenn man keine Lust hat, und sich dennoch dazu zwingt, schreibt man meist ohnehin schlechter und das Endprodukt leidet darunter. Andererseits muss man sich hier und da dazu zwingen, ansonsten schreitet das Werk nur langsam und mühselig voran. Das Problem, meiner Meinung nach, liegt oft daran, dass ein noch unerfahrener Schriftsteller, oder jemand, der schon lange nichts mehr geschrieben hat, sich erst wieder an eine Mengenangabe wie fünf gewöhnen muss. (Fünf Seiten klingen nicht besonders viel, doch wer es mehrere Tage versucht, wird es verstehen. A5 versteht sich, A4 wäre Wahnsinn.)
Da bietet sich ein disziplinierter Schreibmarathon an.

Der Plan kann wie folgt ablaufen:

Jeden Tag schreibt man 5 Seiten, das über einen ganzen Monat hinweg. Wenn man keine Lust hat an dem Werk selbst zu arbeiten und Seite für Seite in das Schreibprogramm zu tippen, kann man es so machen, das man die Seiten aufteilt. Man legt sich ein zweites Dokument an und schreibt dort Ideen auf. Wenn man will, kann man auch an einem Kapitel arbeiten, das noch gar nicht an der Reihe wäre; man kann natürlich auch ein altes überarbeiten und Fehler, die die Story gefährden (meist bemerkt man dies im Verlaufe des Schreibens, das da etwas nicht mehr stimmt, da man den Plot ein wenig verändert hat) ausmerzen.
Wenn man nun allerdings an einem neuen Tag wieder damit anfängt, sollte man stets das Geschriebene vom Vortag unter die Lupe nehmen. Tippfehler, Grammatikfehler usw. schleichen sich häufig ein, manchmal ist auch ein Satz unglücklich formuliert. Vielleicht fehlen einem auch einige Details, die die Erzählung interessanter und die Dialoge glaub- und lebhafter gestalten? So schafft man häufig bereits die erste Seite für den Tag.

Das Ziel der Übung ist es, dass man sich daran gewöhnt, zu schreiben. Nach diesem einen Monat fällt es einen kaum mehr schwer, fünf Seiten loszuwerden. Man wird detailreicher und die Seiten fliegen nur so auf den Bildschirm. Bald ist es nicht einmal mehr eine Kunst, zehn Seiten in einem Durchgang zu schreiben. (Danach darf man sich selbstverständlich auch einen Tag Pause gönnen, sich selbst einteilen etc. Die Regeln sind nicht in Stein gemeißelt, sie sind flexibel, also sei das auch. Hauptsache, man definiert die Regeln im Vorhinein und wird nicht schlampig)

Wichtig ist nur, dass der Inhalt nicht darunter leidet. Wenn man wirklich keine Lust auf so etwas hat, oder einem die Disziplin fehlt (hierbei wäre solch ein Marathon jedoch eine gute Idee, selbige zu verbessern) sollte man es besser bleiben lassen. Dann sollte man jedoch auch bedenken, ob es wirklich das richtige für einen ist, einen Roman zu verfassen. Es steckt mehr Arbeit dahinter, als der Laie glauben mag. Lässt man sich zu viel Zeit, werden einem die geschriebenen Worte häufig fremd. Meiner Meinung sollte man nie länger als ein Jahr für ein Werk benötigen. (Ausnahmen bestätigen die Regel; man siehe Werke von 500-1000 Seiten) Denn man darf nie vergessen, dass nach dem Schreiben erst die richtige Arbeit kommt: Das Überarbeiten.

Also wer sich dafür interessiert, kann es gerne versuchen. Auch ich werde den Versuch erneut starten. Nicht, weil es mir schwer fällt, nein eher, weil ich bis zum 1. April – also 6 Wochen ab heute – mindestens 150 Seiten schreiben möchte.

Wer jedoch lieber ungezwungen schreiben möchte, der wird ja nicht dazu genötigt. Wir sind ja keine infernalen Schriftführer, die dazu gezwungen werden, jeden Einzelnen, der die Höllentore passiert, zu protokollieren 😉
Dies ist bloß eine mögliche Hilfe. Selbstverständlich muss man sich das auch genau einplanen und es sich gemütlich machen, ansonsten wird es einem schwer fallen. Mir gelingt es am besten, in guter Qualität wie auch Quantität zu schreiben, wenn es draußen bereits dunkel ist und nichts rund um mich herum ist, das mich ablenken kann. Deshalb schalte ich auch das Licht ab und schwebe in einer Sphäre zwischen dem Bildschirm und meinem Geist.

Ich würde mich sehr darüber freuen, Erfahrungsberichte von euch zu erhalten. Hilft/half euch diese Methode? Könnt ihr euch damit nicht anfreunden?

P.S.:Vergesst nicht, hier dreht es sich um Trivialliteratur. Wer ein Sachbuch oder ähnliches verfasst, wird wohl anders damit umgehen und dementsprechend länger oder kürzer brauchen. Damit habe ich leider keine Erfahrung.

LG

13 Kommentare zu „Vom Schreibmarathon und dem infernalen Schriftführer

  1. Ich bin ein total undisziplinierter Mensch. Ich beginne meist mit gefühlten 50 Seiten und dann kommt 3 Wochen lang nichts, obwohl ich mir es doch vorgenommen hatte. 😀
    Ich bin meist sogar zu faul ideen zu notieren – was mir dann in Zeiten, wenn ich Lust zum Schreiben habe, sehr im Wege steht.

    Schönen Blog hast du! 🙂

    Liebe Grüße > darkest.heart

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    1. Dieses Problem hatte ich anfangs auch. Es begann eher aus einer Laune heraus, doch irgendwann hat es so Spaß gemacht, dass ich einfach nicht mehr aufhören konnte 😉
      Das mit den Ideen notieren bereue ich momentan auch ganz schön, da ich sie jetzt besonders brauchen würde 🙂

      Danke, sehr lieb 😀

      LG

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  2. Das zu bearbeitende Dokument wird jeden Tag geöffnet. Wenn ich bei Blogs schreiben kann, kann ich auch an der Story schreiben, ganz einfach. Allerdings ist jeden Tag der erste Absatz am schlimmsten. Wenn dann nach einer Stunde die ersten 20 Zeilen auf Papier gebannt sind, geht es entweder wie ganz von alleine…oder eben gar nicht. Im letzten Fall stelle ich die Arbeit am Manuskript ein. Am nächsten Tag wird der letzte Absatz dann überarbeitet und weiter geht es. Ich schreibe täglich nicht mehr als 2-5 Seiten. Manchmal kriege ich ein Schreibfieber, dann werden es auch mal 10. Aber das ist selten. Leider!

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    1. Hauptsache ist, dass man schreibt. Bei meinen Selbstversuch mit dem Schreibmarathon stoße ich häufig an meine Grenzen. Zu schreiben, auch wenn man gerade nicht sonderlich Lust dazu hat, kann ganz schön anstrengend sein und nach hinten losgehen. Die beste Idee ist es ohnehin nicht 😉
      Früher hatte ich schon Phasen, wo mir die Seiten nur so von den Fingern in den Computer flossen, doch das hat sich mittlerweile auch schon wieder etwas gelegt. Aber das Wichtigste, wie ich finde, ist es einfach sich die Zeit zu nehmen und in sich zu kehren. Und wenn es gar nicht geht, sollte man sich ablenken, spazieren gehen oder mit Freunden etwas unternehmen; also einfach den Kopf frei bekommen 😉

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