Kreative Pausen und andere Komponenten der Schriftstellerei – Die Sicht eines Laien – Teil II

Frohe Ostern!

So … Teil I war recht subjektiv und eher eine Beichte, als ein ernstzunehmender Artikel. Teil II jedoch wird auch nicht viel objektiver ablaufen. Erstens ist es nicht wirklich mein Stil, zweitens kann ich es nur aus meiner Sicht – aus der Sicht eines Laien – beschreiben. Also sollte dies berücksichtigt werden. Die Ratschläge können genauso hilfreich für euch sein, wie auch unnütz. Manche kann man sich gut selbst zusammenreimen, aber warum sollte man sich anstrengen, wenn man’s auch vorgekaut bekommen kann! Also wen es interessiert, kann gerne Teil I überspringen, falls dies nicht bereits passiert ist 😉

In Teil I habe ich davon gesprochen, wie es mir selbst dabei ergangen ist. Ich habe die letzten Monate sehr hart an meinem Werk gearbeitet und jeder, der einen guten Roman schreiben will, gibt sich für sein Ende natürlich doppelt so viel Mühe und möchte, dass alles stimmig und vor allem spannend endet. Kaum zu glauben, aber manchmal ist dies ermüdender als erwartet. Oftmals wird der Beruf des Schriftstellers hinuntergezogen (Beruf ist deshalb kursiv, weil ich es natürlich noch nicht – falls jemals – als Broterwerb ausübe). Es sei eine Arbeit für faule Personen, einfaches Geld für wenig Aufwand. FALSCH! Selbstverständlich gibt es viele, die eher auf Quantität als auf Qualität setzen und Bücher hinausschleudern wie die Briefträger ihre Post. Solche Werke verkaufen sich zwar oft auch dementsprechend, aber als ambitionierter Laien-Autor will man natürlich gleich von Beginn an alles Dagewesene übertrumpfen … oder zumindest nicht total versagen. Das laugt aus, is‘ klar ne?

Drei Komponenten will ich hier und jetzt ansprechen, die wirklich wichtig sind, um etwas Brauchbares zu verfassen (neben Zeit, der Idee, Grammatik etc. und anderen Dingen versteht sich) und jene will ich im Detail ansprechen.

Ehrgeiz

Ehrgeiz ist natürlich nie verkehrt. Oder doch? Nicht umsonst werden häufig gerade die Ehrgeizigen als Vorbilder genommen. Man setzt sich hohe Ziele und will diese natürlich auch erreichen. Doch betrachten wir das Wort einmal näher. Hmm … Darin stecken Ehre und auch das Wort Geiz. Geiz, oder auch Habsucht, ist die zweite der sieben Todsünden. Wer geizig ist, ist übertrieben sparsam und zeigt großen Unmut, seine Hab und Gut mit anderen zu teilen. Also kann man, wenn man so will, ohne Zweifel behaupten, dass Geiz etwas Schlechtes ist. Ehre hingegen ist zwar keine Todsünde, doch in manchen Fällen auch nicht gerade völlig positiv. Ehre kann man teilweise sehr mit dem sozialen Stand einer Person in Verbindung bringen. Viel Ehre → Toller Typ/Tolle Frau. Wenig Ehre → meh

Also ist Ehre einer der Faktoren, die dafür zuständig sind, wie wir unser Gegenüber behandeln. Jemand mit wenig Ehre wird jemanden mit viel eher in den Arsch kriechen, als umgekehrt (Bei Promis und Nicht-Promis kann man dies gut erkennen). Aber heißt es nicht, man soll jeden Menschen gleich behandeln? Na? Da kann man den Finger wieder einmal tadelnd erheben.

Kombinierend zusammengefasst lässt sich also behaupten, dass jemand, der sehr ehrgeizig ist, sich über andere erheben möchte. Eigentlich eine sehr selbstsüchtige Eigenschaft; man ist sehr auf sich selbst und seinen eigenen Vorteil fixiert. Das Allgemeinwohl ist dabei Nebensache. Man will mehr sein, man will besser sein, man will es allen zeigen.

Will, will, will. Dreifache Wortwiederholung. Ja! Nicht umsonst.

Der Wille

Ist der Wille da, einen Roman zu schreiben, ist der erste Stein auf dem Weg schon einmal zur Seite geräumt. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich in jungen Jahren diverse Geschichten begonnen und endlose und faszinierende Szenarien gesponnen habe, doch über Seite vierzig bin ich nur in den seltensten Fällen hinaus gekommen. Der Wille war eben nicht da, dies wirklich durchzuziehen. Gelesen ist ein Buch um einiges schneller, als geschrieben.

Doch sobald man diesen Willen gefasst hat und sich nicht unterkriegen lässt, beginnt erst der wahre Spaß des Schreibens. Ich will die zig Stunden gar nicht missen, in denen ich mich vor den Laptop geschnallt und ihn ewig nicht verlassen habe, nur um eine Geschichte loszuwerden. Sobald man einen Rhythmus gefunden hat, macht es richtig süchtig!

Du möchtest einen Roman schreiben? Dann knall dich vor den Bildschirm, geh‘ endlich aus Facebook oder dem sonstigen Blödsinn raus, der einen nur unnötig ablenkt und fang‘ einfach an!

Kreativität

Die dritte Komponente um etwas gutes zu schreiben ist wohl die, die man am wenigsten erzwingen kann und dabei wohl sogar die wichtigste! Kreativität ist eine launische Bestie. Manchmal Freund, manchmal Feind. Ich wage mich zu behaupten, dass sie es manchmal selbst nicht weiß. Sie kommt und sie geht, wie es ihr gefällt. Manchmal hat man wirklich einen Lauf und sprudelt vor Ideen nur so über, doch wenn die Quelle einmal versiegt, ist man etwas aufgeschmissen. Daran verzweifelt man oft. Ähnlich ging es mir jetzt nach meinem Schreibmarathon. Ich habe wirklich alles, das in meinem Kopf noch übrig geblieben ist, herausgekratzt. Danach war es plötzlich aus. Man steht plötzlich vor einer völlig ungewöhnlichen Situation. Doch die beste Lösung des Problems sind wohl kreative Pausen. Ich kann wirklich von Glück behaupten, dass ich bereits nach wenigen Tagen wieder Ideen hatte. Den Kopf freibekommen, indem man spazieren geht oder wieder mal das Buch in die Hand nimmt, in dem man schon seit Monaten auf Seite 320 steckt … so Zeug eben! Ganz wichtig dabei ist es, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Manchmal sind die zehn Tage, an denen man nicht schreibt, wichtiger, als die, an denen man ackert wie ein Berserker. Bei der Schriftstellerei passiert viel mehr im Kopf als auf dem Papier.

Fazit

Eine dieser drei Komponenten ist launischer als die See, eine im Grunde genommen schlecht. Lasst euch davon jedoch nicht abschrecken! Doch auch wenn Ehrgeiz im eigentlichen Sinne sehr egoistisch wirkt, ist sie ein Kernelement des Erfolges. Auch wenn es im Abschnitt Ehrgeiz anders klang, ist Ehrgeiz sogar gut! Beinahe nur Menschen mit großem Ehrgeiz bringen es zu etwas! Egoismus hin oder her: Nur wer das Ungetüm in sich selbst schlagen kann, kann erwarten, das eines anderen zu bezwingen. Also ruhig ehrgeizig sein und nicht resignieren! Greift nach den Sternen, sie gehören euch!

Doch das Allerwichtigste ist wohl der Wille. Wille und Ehrgeiz gehen häufig Hand in Hand, doch der Wille etwas zu beginnen und der Wille etwas zu beenden sind im Bewusstsein des Menschen leider zwei völlig verschiedene Dinge. Ersteres kann man sehr mit dem Drang etwas zu Schaffen verbinden. Wir alle wollen etwas schaffen. Ein Bild malen, ein Gedicht schreiben, ein Auto restaurieren, und so weiter. Es liegt in unserer Natur. Wir Menschen erschaffen Dinge, weil wir es wollen, weil es uns Spaß macht! Doch leider ist etwas anzufangen, einfacher, als etwas zu beenden. Rückschläge, Seitenhiebe oder einfach mangelnde Lust sind Unholde die am Wegrand auf uns lauern, doch tut euch den Gefallen, und zieht euer Ding durch! Später werdet ihr euch dankbar dafür sein!

Liebe Grüße,

VTT

2 Kommentare zu „Kreative Pausen und andere Komponenten der Schriftstellerei – Die Sicht eines Laien – Teil II

  1. „Bei der Schriftstellerei passiert viel mehr im Kopf als auf dem Papier.“

    Das würde ich so unterschreiben. Am schwersten ist sicher, den Verlockungen des Internets abzuschwören, zumindest für die Zeit des Schreibens. Da wünscht man sich doch fast wieder die analoge Schreibmaschine zurück, was?

    Gefällt mir

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