Ulrich

Man erzählt sich häufig Geschichten von einem alten Helden, der die Lande Hyderias bereist. Er bleibt nie lange an einem Ort, da seine Seele sich nach der Weite sehnt. Vor vielen Jahren verlor er seine Frau und ist nun stets auf Wanderschaft, auf der Suche nach etwas, das die Leere in seinem Herzen zu füllen weiß. Ulrich fühlt sich unvollständig, nicht komplett, seit Helena verstorben ist. Es ist so, als würde ein Teil von ihm fehlen. Ulrich ist ein alter Mann, mit dichtem Bart und langem Haar, der sein Selbstwertgefühl durch spannende Geschichten von seinen Heldentaten aufbessert. Er erzählt davon, dass er Drachen erschlagen, Menschenfresser gemeuchelt oder einen Überfall von Räubern überstanden und sie in die Flucht geschlagen hat. Kaum einer ahnt jedoch, dass der alte Kerl jedem nur Lügen auf die Nase bindet. Stets hat er sein Schwert Langharon bei sich, das, wenn jemals jemand einen Blick darauf werfen würde, seine Lügen nur bestätigen könnte. Die Schneide ist bereits etwas stumpf und wird an einigen Stellen von Rost zerfressen. Hätte die Klinge ein Hirn, könnte sie kaum von einem Kampf berichten. Er ist ein Feigling und ein mürrischer, alter Mann. Nur selten kehrt er in seine einsame, schäbige Hütte in seinem Heimatdorf Goldwald zurück. Zu viele Erinnerungen quälen ihn an diesem Ort, deshalb bleibt er meist nicht lange. Durch seine Freundschaft mit dem ortsansässigen Bauern Edhgar, erhält er für seine Reise meist billig Wurst, Brot und Milch – welche er über alles liebt. Jeder Morgen muss mit einem Schluck Milch beginnen, ansonsten ist der ganze Tag im Eimer.

Außerdem hegt Ulrich eine tiefe Zuneigung zum Alkohol. Er verträgt nicht viel, doch damit kann er sich in ferne Welten flüchten, in denen er nicht von seinen depressiven, melancholischen Gedanken gequält wird. Meist sind jedoch gerade diese Welten überflutet von solchen Emotionen. Nach außen hin zeigt er es meist nicht, doch tief in seinem Herzen ist er ein trauriger Kerl, der sich oft nach dem Tod sehnt. Doch um das Ansehen eines Helden zu wahren, lässt er diese Dämonen in sich weiter an ihm nagen. Außerdem fehlt ihm der Mut, sich das Leben zu nehmen.

Ulrich hatte nie enge Freunde, nur einen, den er bereits in jungen Jahren verloren hat. Uz war sein Name und er hat den schüchternen Ulrich auf das Heldentum aufmerksam gemacht. Wahrscheinlich hätten sie gemeinsam die Lande durchstreift und Abenteuer erlebt, doch Uz stürzte durch einen Unfall vom Dach und verstarb. Was wäre aus dem alten Mann geworden, wenn er Uz nie kennengelernt hätte? Ein Zimmermann, ein Bäcker? Nein, Ulrich wäre wohl Dichter geworden. Schon von klein auf hat er sich an stümperhaften Gedichten versucht, doch diesen Traum hatte er bald wieder verworfen. Niemand konnte vom Dichten leben, zumindest nicht mit so wenig Talent.

Eines Tages jedoch kehrt Ulrich wieder zurück nach Goldwald und verweilt dort einige Tage. Bald bereut er jede einzelne Geschichte, die er erstunken und erlogen hat, denn als die Tochter Ewa des befreundeten Bauern Edhgars entführt wird, ist Ulrich der Einzige, der sie retten kann. Niemand sonst eignet sich für so etwas besser, als jemand, der angeblich schon so viel Erfahrung mit gefährlichen Situationen hat.

3 Kommentare zu „Ulrich

    1. Haha, ja da gibt’s einen Unterschied 😀
      Falensia ist sozusagen die Welt, das Diesseits. Dann gibt es noch Vhalnia, das mit unserem Himmel vergleichbar ist, Hesaria, vergleichbar mit der Hölle und schlussendlich Quinjia, die Anderwelt, in die der verhasste Gott Ilzrath verbannt wurde.

      Hyderia auf der anderen Hand, ist der Kontinent, auf dem die Geschichte spielt. Es gibt noch weitere, aber die sind relativ irrelevant für diese Geschichte 🙂

      Freut, von dir zu hören und dass du nachfragst!

      LG,

      VTT

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