Der erste Roman

Die letzten zweieinhalb bis drei Jahre habe ich ein Abenteuer erlebt. Ich bin mit dem selbsternannten Helden Ulrich, seinem vierbeinigen Gefährten Max, dem Alchemisten Caspar, dem Prinzen Fansteins und vielen weiteren durch die Lande Hyderias gezogen, habe sie auf ihren Wegen begleitet und geführt. Auch wenn eine viel größere und grässlichere Macht zugegen war, war ich derjenige, der auch diese Macht geschaffen hat. Unverantwortlich, ich weiß, aber es hat Spaß gemacht.

Ich bin der Fädenzieher, derjenige, der hinter allem steckt. Ich bin der Held und der Schurke, ich bin der Gott und die Made Falensias. In jeder Kleinigkeit steckt ein Funke meiner Selbst. So viel kann ich euch verraten: Es macht einen Heidenspaß, seine eigene Welt zu kreieren und die Geschichten, die darin erlebt werden, zu spinnen. Doch dahinter steckt mehr Arbeit, als man denkt, besonders wenn man es wie ich als Selfpublisher versucht. Viele verfolgen den Traum, einen eigenen Roman zu veröffentlichen. Jedoch liegen zwischen der Idee und dem fertigen Buch in der Hand Welten.

Das Schreiben
war eigentlich noch der einfachste Part. Alles hat damit angefangen, dass ich endlich einmal einem Buch die magischen vier Buchstaben E N D E spendieren wollte. Schon viele habe ich begonnen, die bereits mehrjährigen, digitalen Staub ansammeln, aber mich nie wieder dazu inspiriert haben, sie weiterzuspinnen.
Die Idee zu Der Spiegel von Echenon geisterte mir jedoch schon seit Ewigkeiten im Kopf herum und kam mir, als ich im Wald abseits der Wege spazieren war. Egal, ob man blind drauf los tippt oder alles im Detail vorher „plottet“, ohne Ideen verläuft sich so eine Geschichte bald im Sand. Mehrtägige Pausen waren gang und gäbe. Idee ist auch nicht gleich Idee, nicht alle lassen sich innerhalb desselben Buchdeckels verwirklichen oder sind an sich gut. Die besten Ideen laufen einem nur spontan über den Weg. Ideen sind wie scheue Tiere, ihnen hinterherzujagen macht keinen Sinn. Dennoch: Gerade dieser Part, der mit der Erschaffung einer eigenen Romanwelt einhergeht, ist der spannendste und schönste. So soll es auch sein, doch dabei bleibt es nun mal nicht.

Das Überarbeiten
hat wohl den größten Teil in Anspruch genommen. Mehrere Runden – es waren insgesamt glaub ich drei – habe ich über mich ergehen lassen. Das heißt, ich habe meinen ganzen Schinken noch einmal gelesen, korrigierte Tipp-, Grammatik- und Rechtschreibfehler und merzte Ungereimtheiten soweit es ging aus. Immerhin wollen die Testleser ungetrübt den Roman konsumieren können, ohne dauernd aufgrund von Schlampigkeiten die Stirn in Falten ziehen zu müssen.

Danach kam noch eine Überarbeitungsrunde. Eine Eigenheit ist mir auch aufgefallen: Beim Lesen anderer Geschichten, bei der Arbeit, bei fast all meinen Aktivitäten, dachte ich an mein Buch. Mir fielen neue Ideen ein und Dinge, die ich vergessen hatte. Wie besessen war ich. Ich glaube, ich habe für das Überarbeiten beinahe so lange gebraucht, wie für’s Schreiben selbst. Liegt einerseits am Perfektionismus, andererseits an den vielen Pausen, die ich gemacht habe, um Abstand vom Werk zu erhalten. Ein nüchterner Blick auf das Ganze ist besser als ein beschränkter auf die Details. Das heißt leider noch lange nicht, dass mein Werk frei von Fehlern ist und bei jedem gleich gut ankommt. Um zumindest den Fehlern weitestgehend aus dem Weg gehen zu können, folgte der nächste Schritt.

Das Lektorat
war bei mir eine Germanistik-Studentin, die sich auch mit dem Genre ganz gut identifizieren konnte. Währenddessen habe ich das Cover gestaltet. Viele diverse Entwürfe, alle von Grund auf verschieden, mussten geschaffen werden, bis ich schließlich bei diesem gelandet bin. Da ich noch nicht ganz zufrieden war, startete ich einen kleinen Fragebogen, wie einige von euch wissen. Um ehrlich zu sein, war das eine der besten Ideen, die ich haben konnte. Ihr habt mir hierbei wirklich mächtig unter die Arme gegriffen und mir geholfen, ein wirklich tolles Cover hervorzubringen.

Und jetzt ist mein Roman bereits eine Woche erhältlich. Jetzt verstehe ich jede Mutter, die schweren Herzens zusieht, wie das eigene Kind auszieht. Es ist ein unwirkliches Gefühl, dass etwas, das ich geschaffen habe, nun auf eigenen Beinen steht.

Bei meinem ersten Roman wollte ich so gut wie alles selbst machen, bis auf’s Korrekturlesen. Die Bilder, das Cover, die Weltkarte und die Werbung lagen und liegen alle in meiner Verantwortung. Es ist eine einmalige Erfahrung, all diese Schritte selbst zu erledigen, doch wird man davon leicht überfordert und der Roman kann darunter leiden. Hätte ich die Arbeiten aufgeteilt, wäre ich wohl um fast ein Jahr früher fertig geworden. Beim nächsten Roman werde ich die Arbeit wohl ein wenig an andere delegieren.

Trotz der Masse an Arbeit, die mit meinem ersten Roman einherging, möchte ich keine Minute, die ich dafür aufgebracht habe, missen. Auch, wenn ich gerade nicht damit beschäftigt war, konnte mein Geist nie ganz von meiner Romanwelt ablassen. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil von Geschichten aus Falensia 😉

Das Schreiben ist wie eine Droge: Anzufangen ist nicht schwer, wieder aufzuhören jedoch sehr.

 

Euer VTT

7 Kommentare zu „Der erste Roman

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