Falensischer Haustierratgeber – Der Kokormo

Ich habe diesen Laden von meinem Vater geerbt, weil er bankrott gegangen ist. Was war er auch für ein Narr, nahe der Ewigen Wäldern für Geflügel Geld zu verlangen.“ Tavernenbesitzer Zum Gackernden Huhn

Was haben mein Mann und ein Kokormo gemeinsam? Beide haben nur fressen und vögeln im Kopf.“ – schlechter Fansteiner Hausfrauenwitz, der sich dennoch größter Beliebtheit erfreut

Ach herrje, der Kokormo. Der wohl größte gefiederte Witz, der sich in Fansteins Wäldern herumtreibt. Der kugelrunde Körperbau zwingt ihn häufig dazu, von Artgenossen vor sich hergerollt zu werden, wenn ein Fressfeind in der Nähe ist. Wären seine Flügel doch nur zu mehr fähig, als zum bloßen Staub Aufwirbeln.
Das Gefieder ist regional sehr verschieden. Während in einigen Gebieten die Kokormos eher braun sind, weisen sie mancherorts einen grünen Farbton auf. Meist jedoch ergibt sich eine Mischung aus beidem. Küken sind jedoch immer braun bis ocker. Wissenschaftler glauben, eine Erklärung für die Grüntöne in Moosen gefunden zu haben, die Kokormos mit ihren Schnäbeln teilweise von Baumrinden oder Steinen schaben.

Doch all das wissen Sie bestimmt bereits, denn nicht umsonst lesen Sie einen Haustier-Ratgeber. Aus welchem irrwitzigen Grund wollen sie sich solch einen Plagegeist überhaupt ins Haus holen? Erstens wäre es eine Qual für das arme Tier, alleine gehalten zu werden, zweitens wäre es eine Qual für Sie, mehr als nur einen Kokormo ins Haus zu lassen. Wenn, dann sollte man sie in Käfigen halten. Denn Wanderer, die selbst zu kühleren Jahreszeiten im Wald unter freiem Himmel übernachten, haben berichtet, wie sehr Kokormos Körperwärme schätzen und sich an einen kuscheln. Mag süß klingen, kann aber gehörig nerven. Generell finden sich Kokormos gerne in größeren Gruppen zusammen und bilden wahre Trauben und das nicht nur des Nachts.

Außerdem: Haben Sie jemals deren Brunftschreie gehört? Kokormos sind nicht gerade für ihre Virtuosität und ihre schönen Gesänge bekannt, die sie an den Tage legen. Einzeln mag das noch in Ordnung sein, doch wenn eine ganze Schar ihre kratzenden, gellenden Kehlen zum Klingen bringen, wünschte sich jeder, so schwerhörig wie Großvater Tom zu sein. Es wird Ihnen den letzten Nerv rauben; doch vielleicht sind Sie ja Masochist? Mag das sein? Oder sind Sie tatsächlich taub und stören sich nicht an so etwas? Vielleicht haben Sie auch einen Fetisch, der … ich gehe zu weit, tut mir leid. Doch bitte hören Sie auf meinen Rat: Lassen Sie die Tiere im Wald, wo sie hingehören und tragen Sie dazu bei, die Überbevölkerung der Kokormos in den Griff zu bekommen, indem Sie sie fangen und über dem Feuer grillen. In bestimmten Regionen Fansteins gilt auch der Kokormospieß im Flammkrautmantel als Delikatesse, die sich selbst ein einfacher Bauer leisten kann. Kokormos haben einen recht passablen Geschmack und laufen einem mehr oder minder in die Hände. Ja, fast so, als wollten sie gefressen werden! Sie müssten sich nur noch selbst die Federn rupfen, dann wäre die Anschaffung als Haustier tatsächlich eine Überlegung wert. Von Scheu haben diese Tierchen noch nichts gehört oder pfeifen einfach darauf, da auf jeden verspeisten Kokormo mindestens schon zwei Küken kurz vor dem Ausschlüpfen stehen.

Kokormos sind so paarungswillig, dass selbst der größte Lüstling Nhumilons im Vergleich jämmerlich prüde wirkt. Sie balzen das ganze Jahr über – außer im Winter, wo sie sich rein auf Nahrungssuche und Erhalt ihrer Energie konzentrieren. Wenn Sie nun allerdings glauben, dadurch Ihre Frau zu mehr Schäferstündchen animieren zu können, haben Sie einen völligen Knall. (Sie mögen nun behaupten, wer komme denn auf so abwegige Gedanken, aber glauben Sie mir einfach: Die irrsten Ideen geistern in den Köpfen der Menschen herum und diese habe ich nicht nur einmal gehört.) Jedenfalls verhalten sich kleinere Raubtiere in den Ewigen Wäldern nicht umsonst größtenteils relativ zahm anderen Lebensformen gegenüber, wenn sie ihre Futterquelle ohnehin in den Kokormos gefunden haben, die ihnen regelrecht in die Mäuler springen. Das klingt natürlich äußerst verlockend, wenn sich die Tierchen so wahnsinnig vermehren, dass man mit ihnen vielleicht Geld verdienen oder sie anstelle von Hühnern halten könnte. Doch Sie wären nicht die erste Person mit diesem Gedanken – besonders, wenn man bedenkt, dass dieser Text verfasst wurde, bevor sie ihre Gedanken gefasst haben. Es gibt diverse Fälle von Bauern aus Fanstein, der ursprünglichen Heimat dieses Federviehs, die diese scheinbar geniale Idee in die Tat umgesetzt haben. Wieso glauben Sie wohl, wird heute nach wie vor das gemeine Huhn bevorzugt? Weil niemand zwischen Hesaria und Vhalnia imstande ist, dieser Produktionsrate Herr zu werden. Außerdem ist ihr Geschrei – wie bereits erwähnt – schlimmer als das eines Rudels von zeternden streunenden Katzen und sie schreien in Gefangenschaft selbst die ganze Nacht hindurch. Niemand weiß, wie sie selbst ein Auge zudrücken können. Vertrauen Sie meinen Worten: Selbst wenn Sie Ihre Ohren verschließen würden, würde diese unförmige Mischung aus Gekreische, Gekrächze und Gurren sich einen Weg in Ihr Hirn bahnen. Tun Sie sich den Gefallen und verzichten darauf.

Und wenn Sie – o grauenhafte Vorstellung, doch diesen Versuch hat bereits jemand getätigt – jedem Kokormo die Zunge herausschneiden wollen, damit die Laute verstummen, bedenken Sie dies: Kokormos mögen nicht gerade vor Intelligenz strotzen, doch ihre Heimtücke ist beängstigend. Ihre süßen Äuglein wissen das gut zu verbergen! Legenden erzählen sogar von einem rachsüchtigen Riesenkokormo, der irgendwo inmitten der Ewigen Wälder sein Unwesen treibt und Unrecht seiner „Geschwister“ sühnt. Manche gehen sogar so weit und behaupten, das Tier käme einem Halbgott gleich. Bloß Legenden, ja, aber irgendwie hat noch kein Bauer solche Missetaten wiederholt.

Also vertrauen Sie bitte den weisen Worten eines Fachmannes wie mir und halten sich keine Kokormos. Stellen Sie Fallen im Wald auf, wenn sie tatsächlich mit ihnen Geld verdienen oder sie einfach essen wollen, denn die Kokormos sind sehr bereitwillige Opfer. Allerdings müssen Sie wissen, dass kein Mensch für diese Tierchen viel Geld springen lässt, da sie prinzipiell bereits ein dreijähriger Dwygel mit gelähmten Beinen fangen könnte.

Mit besten Grüßen,
Nirwa Sel’Dharc

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