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Der Tag nach der Weihnacht

weihnachten 2015

Letzte Nacht war ein fröhliches Beisammensein,
mit Spiel und Spaß im Kerzenschein.
Die Männer siegten so gut wie nie,
scheinbar hatten wir ’ne Gewinn-Allergie.

Canapés, Kekse, Chips, Bier und Wein,
heute habe ich eine unverwechselbare Ähnlichkeit zu einem Mastschwein.
Ich kugle mühsam wie ein Medizinball aus dem Bett,
knalle lautstark auf den Boden, fühl mich rund und fett.

Heute fällt mir das Atmen sichtlich schwer,
kein Wunder, wenn der Magen auf die Lunge drückt so sehr.
Trotzdem kenne ich kein nein
und lasse mich auf ein ausgiebiges Frühstück ein. Der Tag nach der Weihnacht weiterlesen

Das Herz auf der Zunge

Ich bin die Stimme, die niemand vernimmt,
der Schatten, den niemand sieht.
Ich bin der Anfang, der kein Ende nimmt,
der Geier, der seine Kreise zieht.

Gib mir die Gelegenheit zu glänzen
und ich werde dich blenden.
Ansonsten wird Finsternis dich bekränzen.
Entscheide. Wie sollt dieses Spiel nur enden?

Ich bin das Tal,
ich bin der Berg.
Stets stelle ich dich vor die Wahl.

Ich bin die Liebe,
ich bin der Hass.
Nähre Mörder, Schänder und Diebe.

Ich bin die böse Zung‘,
die im Grunde nur die Wahrheit spricht.
Ich bin die Made ohne Ursprung,
umhüllt vom Kokon, der bald aufbricht.

Ich lege dir die Steine in die Hand,
erbaue mit ihnen oder erschlage.
Nun siehst hinunter aufs blutverschmierte Gewand;
brachtest dich selbst in diese Lage.

Ich bin das Licht,
ich bin der Schatten.
Dennoch erblickst du mich nicht.

Ich bin das Herz,
ich bin der Verstand.
Dein Weg ist gepflastert mit Schmerz.

~ Vincent Theodor Thomas

Der Schweinehund

Ein Dämon wohnt in meiner Brust
Und tobt in mir nach Herzenslust
Schweinehund, so schimpft er sich
Er lässt nicht los, ist unerbitterlich

Grässlicher Schurke der Nacht
Wieso hast du über mich so große Macht?
Verschwinde von meinem Körper, von meinem Geist
Du Unhold merkst doch, wie es mich zerreißt

Du bist zu stark, ich bin zu schwach
Wenn ich jetzt nichts tue, lieg ich flach
Weiß er von meinen Absichten?
Ihn für immer und ewig zu vernichten?

Die Angst folgt jedem schwachen Moment
Sein Auftreten ist mehr als ambivalent
Ich laufe und ich renne
Bis ich jemand anders bin, eine Person die ich nicht kenne

~ Vincent Theodor Thomas

Sprenge die Ketten

Sprenge die Ketten deines Verstands

Erst dann wirst du erkennen, was wirklich ist

Gehe fort von hier, von diesem Land

Denn die Welt, die du kennst, ist voller List

Sprenge die Ketten des ewigen Jochs

Das deine Seele hält im eisernen Griff

Wirf sie in das tiefste Loch

Sodass sie auf niemanden mehr hat Zugriff

Sprenge die Ketten an den schwächsten Gliedern

Reiß dich los und lauf davon

Lebe ein besseres Leben, singe Lieder

Denn nur du bist Herr über deine Person

Sprenge die Ketten, die dich umgeben

Denn nur du kannst dich befreien

Du bist der Schmied deines eigenen Lebens

Der Einzige, der sie kann entzweien

~ Vincent Theodor Thomas

Felder der Unschuld

Durch goldene Felder tanzen wir
Verfolgt vom kindlichen Glück
Begleitet von den Brüdern Zephirs
Pflücken wir die Blumen, Stück für Stück

Dies sind die Tage
Die wir nie vergessen werden
Ich weiß, ich werde nichts beklagen
Auf scheinbar fremden Erden

Im Kokon steht die Zeit still
Ruhig und leise weht der Wind
Ihr wisst, dass ich nirgends anders hin will
Doch tut so, als wär ich bloß ein dummes Kind

An der Hand werde ich hinfortgezerrt
Meine Wange, liebkost von einer bitteren Träne
Hinter Schloss und Riegel eingesperrt
Verwerfe ich erwachsen all meine Pläne

~ Vincent Theodor Thomas

Im Angesicht des Turms

Er teilt den Horizont
Wie kein anderer es vermag
Regt Angst ein ganz gekonnt
Nicht nur heut, sondern jeden Tag

Ragt bis in die Wolken hinein
Steht felsenfest bis in alle Ewigkeit
Die Fassade, so dunkel, so unrein
Voll Schatten und unendlichem Leid

Nur das Böse lauert in ihm
Gierig durchbohrt mich sein Blick
Zwingt mich in die Knie
Nun gibt es kein Zurück.

~ Vincent Theodor Thomas